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E-Kanban – Anwendung, Vorteile und Tools

Im letzten Newsletter haben wir einen kurzen Überblick über die Steuerung des Produktionsprozesses oder des Materialflusses durch Kanban Systeme im Allgemeinen und die Möglichkeit der Digitalisierung von Kanban im Speziellen gegeben. Im folgenden Teil zu Kanban sollen diese vertieft und die deutlichen Unterschiede zwischen manuellem Kanban und digitalem E-Kanban dargestellt werden.

Hintergrund und Auslöser von Kanban ist die Vermeidung von Verschwendung durch konsequente Anwendung des Pull-Prinzips in der Steuerung.  Das Pull-Prinzip arbeitet verbrauchsgesteuert, und reagiert damit sofort auf einen reduzierten oder ausbleibenden Verbrauch. Nämlich dadurch, dass es ohne einen Verbrauch auch keinen Nachschub mehr in Form einer Produktion oder Transport gibt. Die Bestände sind vorgegeben, es gibt keine Überproduktion und unnötige Transporte unterbleiben. Damit lassen sich durch Kanban 3 der 7 Verschwendungsarten auf einmal vermeiden.

Diese Vorteile der Produktionsprozesssteuerung durch Kanban wurden bereits vor Jahrzehnten erkannt und erfolgreich in der Praxis eingesetzt. Die Vernetzung der IT Systeme und Digitalisierung steckte noch in den Kinderschuhen und es kamen ausschließlich manuelle Hilfsmittel zur Realisierung.

Mit einem Kanbankreislauf oder Loop lässt sich der Materialfluss zwischen einer Quelle bzw. Lieferanten und einer Senke bzw. Kunden steuern. Quelle und Senke können sich auch intern einer Organisation befinden, beispielsweise bei einem Materialtransport vom zentralen Lager an einen Produktionsarbeitsplatz. In entgegengesetzter Richtung wie der Materialfluss erfolgt der Informationsfluss, der dem Lieferanten signalisiert, dass der Kunde wieder Material benötigt. Außer einem Transport-/Materialentnahmekanban gibt es auch Produktionskanban, bei dem ein Artikel beim Lieferanten produziert wird, wenn der Kunde über den Informationsfluss einen Bedarf meldet.


Bild 1: Kanbankreislauf, bestehend aus Material-/Informationsfluss zwischen Quelle und Senke

Wichtigstes Instrument als Signal für den Informationsfluss ist beim Kanban die Kanban – Karte, auf der sämtliche relevanten Informationen für den Artikel hinterlegt sind. Diese sind: a) Artikelbezeichnung ggf. mit Artikelnummer, b) Anzahl der Teile im Kanban – Behälter, c) Typ des Behälters für den Artikel, d) die Quelle, e) die Senke und f) die Kanbankartennummer und Gesamtanzahl der Karten für diesen Loop.


Bild 2: Kanbankarte mit allen relevanten Daten

Zur Realisierung eines manuellen Kanbankreislaufs finden sich bei diversen Händlern umfangreiche Hilfsmittel wie z.B. Kanban Boards zum Sammeln und visueller Darstellung des Produktionsprogramms beim Lieferanten.


Bild 3: manuelles Kanban Board

Bei der Realisierung eines manuellen Kanbankreislaufs müssen zwingend Regeln für den Umgang mit Kanbankarten aufgestellt werden, die bei allen Beteiligten mit hoher Disziplin zu befolgen sind. Nicht selten kommt es in der Praxis vor, dass Kanbankarten beim Transport vom Kunden zum Lieferanten verschwinden, in dem diese nur mal eben abgelegt und dann vergessen werden – beispielsweise in einer Hosentasche des Logistikpersonals. Dadurch fehlen Kanbankarten im Kreislauf und die Information über einen Nachschub kann zwangsläufig nicht mehr übertagen werden. Im schlimmsten Fall kommt es zu einer Unterbrechung des Kreislaufs und zu Fehlmengen beim Kunden. Nicht selten wird diese Unterbrechung und die Folgen daraus auf das Prinzip des Kanban geschoben, obwohl oft gar keine Regeln aufgestellt wurden, das Personal nicht ausreichend geschult wurde oder disziplinlos gehandelt hat.

Um dies zu vermeiden, bietet IMIG bei seinen Kanban Projekten eine Auditcheckliste an, mit Hilfe derer an Hand von 80 Beurteilungskriterien der komplette Kanbanprozess bewertet wird. Aus dem Ergebnis der Bewertung sind Maßnahmen abzuleiten, und aus einer regelmäßigen Auditierung ergeben sich monatliche KPI Werte.

Mit Einzug der Digitalisierung gab es einige Ansätze, den Kanbanprozess in ein ERP zu integrieren oder als selbstständiges Programm anzubieten. Für diese Programme hat sich der Begriff E-Kanban etabliert, und IMIG hat sich auf dem Anbietermarkt umgeschaut und eine kurze Marktrecherche über sechs unterschiedliche Anbieter erstellt. Die Möglichkeiten rund um den Kanbanprozess sind schier unendlich, und über einen Testzugang sowie eine Schulungsprogramm bei der KanbanBox (www.kanbanbox.com) konnten wir uns einen sehr guten Überblick verschaffen.

Die KanbanBox ist eine webbasierte Software, mit deren Hilfe alle am Prozess beteiligten den jeweiligen Kanbanprozess steuern. Als einfachere Eingabemöglichkeit oder Überwachung eines Kanbankreislaufs ist sogar eine App für iOS und Android verfügbar. Außer einem PC mit Internetzugang, Scanner und Drucker sind keine weiteren Hardwarkomponenten notwendig. Die Bedienung der Oberfläche ist intuitiv und einfach zu lernen, und die Einführungs- und laufenden Kosten sind überschaubar.


Bild 4: Übersicht der Kanbankreisläufe und Kanbankarten mit unterschiedlichem Status

Die Funktionen und Möglichkeiten von KanbanBox sind:

  • Stammdatenverwaltung: Artikel, Partner (Kunde, Lieferanten), Behälter. Auch lassen sich externe Lieferanten und Kunden in den Prozess problemlos integrieren.
    Über eine Importfunktion können bestehende Stammdaten übernommen werden.
  • Es sind 4 Typen von Kanbankreisläufen realisiert; a) Produktionskanban, b) Bestellungen bei externen Lieferanten, c) Lieferungen an externe Kunden und d) Transportkanban.
  • Erstellen sowie anpassen von Kanbankreisläufen incl.  Berechnung der Anzahl von Kanbankarten aus Verbräuchen der Vergangenheit oder zukünftigen Prognosen.


Bild 5: Möglichkeiten der Kanbankreisläufe entlang der Supply Chain

  • Umfangreiche Statusmöglichkeiten der Kanbankarten können individuell auf den Anwendungsfall angepasst werden.


Bild 6: mögliche Stati der Kanbankarte im Board durch unterschiedliche Farben dargestellt

  • Übersicht über jede Kanbankarte im Kanbankreisläufe in einem Board als Lieferant, Kunde oder Planer des Kreislaufs. Das Layout eines Boards lässt sich individuell auf die Anforderungen im speziellen Fall anpassen.
  • Batchkanban zur Bildung von Losgrößen in der Produktion.
  • Einschleusen von zusätzlichen und einmaligen Kanbankarten zur Überbrückung von z.B. Betriebsschließung. Außer einmaligen Kanbankarten sind auch mehere Umläufe für diese zusätzlichen Karten möglich.
  • Für die Kanbankarten stehen umfangreiche Templates zur Verfügung und weiter Layouts können auch individuell gestaltet werden.
  • Settings zur Firma und ein Kalender mit Arbeitstagen oder Liefertagen lässt sich anlegen.
  • Für jeden am Prozess beteiligten lässt sich ein User anlegen, und Userrollen legen fest, wer was im Kanbanprozess darf.
  • Änderungen des Status von Kanbankarten werden aufgezeichnet.
  • Umfangreiche Reportfunktionen für Verbrauchsstatistiken, Bestandsverläufe, FIFO Verfolgung und Materialbewegungen sind standardmäßig vorhanden.


Bild 7: Report von Verbräuchen und Ausnahmemeldungen

  • Kanbankreisläufe können auf Grund der vorhandenen Verbrauchsdaten und daraus abgeleiteten System - Vorschlägen neu berechnet und angepasst werden.
    Zur Berücksichtigung von Forecasts kann ein Kanbankreislauf mit der Importfunktion neu berechnet werden.
  • Verknüpfung von zwei Kanbankreisläufen zu einem Trigger.
  • Mit Multiprozess Kanban können mehrere Prozess zentral gesteuert werden.
  • Durchführung einer Inventur für den Kanbankreislauf
  • Hinterlegen von technischen Zeichnungen in den Stammdaten.
  • Informationsaustausch über ein Angebot bzgl. Menge, Lieferzeit und/oder Preis zwischen Kunde und Lieferant.
  • Vereinfachungen im internen Milkrun Prozess, typischerweise zwischen beim Auffüllen eines Supermarktes in der Produktion aus einem zentralen Lager.
  • Harmonisierung des Produktonsflusses durch Heijunka Boards.
  • Integration in externe Software wie ERP, MES oder WMS über API oder Webhooks.

Mit dem vorgestellten E-Kanban sind Funktionen und Möglichkeiten rund um den Kanbanprozess verfügbar, die im manuellen Kanban gar nicht oder nur schwer umzusetzen sind. Wenn Sie nähere Informationen zur KanbanBox in deutscher Sprache erhalten wollen, können Sie uns gerne kontaktieren.

Haben wir Ihr Interesse an Kanban geweckt, aber sind Sie und/oder Ihr Team noch unschlüssig, ob Kanban für Ihre Anwendung geeignet ist, können wir Ihnen unverbindlich mit einem Simulationsspiel weiterhelfen.
Seien Sie auf den Teil 3 zum Kanban im nächsten Newsletter gespannt, dort stellen wir das Simulationsspiel ausführlicher dar.

 


Thomas Klein 
Senior Consultant I IMIG Germany

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